Experteninterview zur Verordnung

Immer wieder erreichen uns Fragen rund um die Verordnungsfähigkeit von medizinischer Trinknahrung. Wir haben einen Experten für Medizin- und Sozialrecht befragt, der uns in einem Interview hierzu Rede und Antwort stand. Haben Sie weitere Fragen zu diesem Thema? Dann stellen Sie uns diese!

 

Interview zur Verordnungsfähigkeit von Trinknahrung

Interview zur Verordnungsfähigkeit von Trinknahrung mit Rechtsanwalt Dr. Rainer Schütze Fachanwalt für Medizinrecht und für Sozialrecht, Dortmund.

 

 

1. Herr Dr. Schütze: Unter welchen rechtlichen Bedingungen kann Trinknahrung von niedergelassenen Ärzten verordnet werden?

Dr. Schütze: Die gesetzliche Grundlage dafür ist im fünften Sozialgesetzbuch und dort in dem § 31 gelegt. Darauf wiederum basiert die derzeit gültige Arzneimittelrichtlinie (AM-RL) des G BA. Die ganz allgemeine Voraussetzung für die Verordnung von enteraler Ernährung – und damit auch von Trinknahrung – ist nach § 21 dieser AM-RL, dass der Patient nach Einschätzung des behandelnden Arztes eine „fehlende oder eingeschränkte Fähigkeit zur ausreichenden normalen Ernährung…“ aufweist.

 

2. Ist sonst nichts zu beachten?

Dr. Schütze: Die oben genannte ärztliche Feststellung ist das Wesentliche. Nach § 21 der AM-RL soll vom Arzt aber auch bei aktuell fehlender Fähigkeit zur ausreichenden normalen Ernährung überprüft werden, ob evtl. zusätzlich zur verordneten Trinknahrung noch Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährungssituation des Patienten eingeleitet werden können. Das können weitere ärztliche oder zahnärztliche Maßnahmen sein, aber beispielsweise auch eine Ernährungsberatung. Der Arzt sollte das Ergebnis seiner Prüfung in seiner Dokumentation festhalten. 

 

3. Warum ist die Dokumentation wichtig?

Dr. Schütze: Eine sachgerechte Dokumentation ist wichtig, um eventuelle Fragen seitens der Krankenkasse oder des MDK beantworten zu können und die Antworten auch belegen zu können. Hier wirkt sich aus, dass Trinknahrung ja vom Arzt wie ein Arzneimittel verordnet wird, ohne aber tatsächlich ein Arzneimittel zu sein. Für die Verordnung gelten jedoch vergleichbare Regularien was z.B. Richtgrößenrelevanz angeht.

 

4. Werden Trinknahrungen also in der Arzneimittel-Richtgröße berücksichtigt?

Dr. Schütze: Ja, Trinknahrungen werden in die Arzneimittel-Richtgröße eingerechnet. Daher sollte der Arzt auch für eventuelle Richtgrößenprüfungen eine gute Dokumentation haben. Darin sollten die Anforderungen der gültigen AM-RL abgebildet sein. Hierzu gibt es nach meiner Kenntnis auch Vordrucke, die dem Arzt helfen können. (Anm. der Redaktion: HIER finden Sie diese Formulare)

 

5. Ist Ihnen bekannt, ob es im Zusammenhang mit enteraler Nahrung Richtgrößenprüfungen häufig gibt? Und wie sieht es dann mit Regressen aus?

Dr. Schütze: Mir persönlich ist bisher kein Fall bekannt, in dem es zu einer Richtgrößenprüfung oder gar zu einem Regress wegen der Verordnung von Trinknahrung gekommen ist. Eine Prüfung ist aber trotzdem natürlich nie ganz auszuschließen. Allerdings kann man sich für so einen Fall mit einer guten und durchgängigen Dokumentation gut absichern. Das ist besonders empfehlenswert, weil solche Prüfungen ja meist lange nach der Verordnung stattfinden. Bei den vielen Patienten und Fällen könnte man sich dann ohne Dokumentation nicht mehr konkret an die Details erinnern.

 

6. Was ist aus Ihrer Sicht sonst noch wichtig bei der Verordnung von Trinknahrung?

Dr. Schütze: Es sind wie immer bei Verordnungen die gültigen Vorschriften für Kassenrezepte nach dem Bundesmantelvertrag zu beachten. Und natürlich muss auch ein verordnungsfähiges Produkt aufgeschrieben werden; zu dieser letzten Frage verweise ich allerdings immer an die Hersteller, die darüber Bescheid wissen.

 

 

Wir informieren auf Anfrage tatsächlich schnell und kompetent über den aktuellen Status unserer Produkte. Herr Dr. Schütze, vielen Dank für Ihre Antworten.

 

 

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