Informationen zur Verordnung von Trinknahrung

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Fragen und Antworten zur Verordnung

1. Welchen Patienten können Sie medizinische Trinknahrung verordnen?

Ein fertig ausgefülltes Beispielrezept.Nach §21 der aktuellen Arzneimittelrichtlinie (AM-RL) ist eine „fehlende oder eingeschränkte Fähigkeit zur ausreichenden normalen Ernährung…“ – unabhängig von der Grunderkrankung – die Voraussetzung für die Verordnung enteraler Ernährung, wenn sonstige Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährungssituation nicht ausreichen.

  • Restriktive Diäten sind zu überprüfen.
  • Bei Schluckstörungen ist auf eine geeignete Lagerung der Patientin oder des Patienten sowie eine angemessene Konsistenz der Nahrung zu achten und die Verordnung von Heilmitteln (Anbahnung und Förderung des Schluckvorgangs als Teil der Stimm-, Sprech- und Sprachbehandlung [Logopädie] oder sensomotorischperzeptive Behandlung zur Verbesserung der Mund- und Essmotorik als Teil der Ergotherapie) zu prüfen.
  • Verordnete Medikamente sind unter dem Gesichtspunkt negativer Effekte auf den Appetit und den Ernährungszustand kritisch zu überprüfen.
  • Es sind geeignete pflegerische Maßnahmen zur Sicherung einer ausreichenden Trinkmenge zu veranlassen.
  • Kaustörungen sind durch Mundpflege, Mundhygiene, notwendige Zahnbehandlungen oder -sanierungen und – soweit erforderlich – funktionsfähige Zahnprothesen zu beheben.
  • Motorische Probleme beim Zerkleinern der Nahrung sind, soweit erforderlich, durch die Verordnung von ergotherapeutischem Esstraining und entsprechende Versorgung mit geeignetem Besteck zu beheben.
  • Bei Beeinträchtigungen der geistigen und psychischen Gesundheit stehen insbesondere die Zuwendung beim Essen mit Aufforderung zum Essen sowie geduldiges Anreichen der Nahrung im Mittelpunkt.
  • Soziale Maßnahmen können erste Priorität haben, hierzu gehört die Beratung der Angehörigen, das Organisieren von Besuchsdiensten, Unterstützung beim Einkauf und, soweit erforderlich, die Lieferung von vorbereiteten Produkten.

 

H: §21 AM-RL im Wortlaut

(1) Enterale Ernährung ist bei fehlender oder eingeschränkter Fähigkeit zur ausreichenden normalen Ernährung verordnungsfähig, wenn eine Modifizierung der normalen Ernährung oder sonstige ärztlich, pflegerische oder ernährungstherapeutische Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährungssituation nicht ausreichen. Enterale Ernährung und sonstige Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährungssituation schließen einander nicht aus, sondern sind erforderlichenfalls miteinander zu kombinieren.

(2) Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt hat bei der Verordnung von enteraler Ernährung zu prüfen, ob insbesondere die nachfolgenden Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährungssituation geeignet sind, eine ausreichende normale Ernährung auch ohne Einsatz von enteraler Ernährung zu gewährleisten und diese gegebenenfalls zu veranlassen: Bei unzureichender Energiezufuhr ist eine kalorische Anreicherung der Nahrung mit Hilfe natürlicher Lebensmittel (z.B. Butter, Sahne, Vollmilch, Fruchtsäfte, Öle, Nahrungsmittel mit hoher Energie- und Nährstoffdichte) sowie ein erweitertes Nahrungsangebot mit kalorien- und nährstoffreichen Zwischenmahlzeiten zu veranlassen.

2. Wie erfassen Sie den Ernährungszustand?

Nutzen Sie einfache, standardisierte Screening-Methoden (z.B. MUST) um den Ernährungszustand Ihrer Patienten zu erfassen und so eine Mangelernährung zu diagnostizieren. Ein elektronisches Screening-Tool erhalten Sie kostenlos hier. Sie können das MUST Screening auch Online auf dieser Seite durchführen.

3. Was müssen Sie bei einer Verordnung prüfen/dokumentieren?

Die AM-RL §21 (2) zählt Alternativmaßnahmen auf, die Sie vor der Verordnung prüfen sollten. Es können Alternativmaßnahmen und die Verordnung von enteraler Ernährung kombiniert werden, wenn das medizinisch notwendig erscheint. Ein Dokumentationsformular zur Prüfung alternativ eingeleiteter Maßnahmen erhalten Sie kostenlos hier.

4. Welche Trinknahrungsprodukte können verordnet werden?

Die wichtigsten Trinknahrungen von Nutricia sind verordnungsfähig, z.B. Fortimel Compact, Fortimel Extra, Fortimel Energy, Fortimel Yoghurt Style. Verordnungsfähig sind nach §§23-26 AM-RL Produkte, die…

  • Diätetische Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke (bilanzierte Diäten) sind,
  • Vollbilanziert, d.h. zur ausschließlichen Ernährung geeignet sind,
  • Einen Energiegehalt von mindestens 1kcal/ml aufweisen…
5. Was ist bei der Rezeptierung zu beachten?
  • Nach derzeit gültiger AM-RL wird enterale Ernährung wie ein Arzneimittel verordnet. Die Anforderungen entsprechen der Rezeptierung von Arzneimitteln
  • Die Angabe der Diagnose auf dem Rezept ist nicht notwendig
6. Fällt die Verordnung von Trinknahrung in das AM-Verordnungsbudget bzw. die Richtgröße?

Ja, enterale Ernährung wird in das Verordnungs-Budget hineingerechnet. Mit einer ordnungsgemäßen Dokumentation der Diagnose und der alternativ eingeleiteten Maßnahmen sind Sie jedoch für eventuelle Regresse bestens gewappnet. Zudem kann die Möglichkeit bestehen, bei der KV eine Praxisbesonderheit anzumelden, um sich gegen Regresse abzusichern.

7. An wen können Sie sich wenden, wenn die Verordnungsfähigkeit eines Produktes in Frage gestellt wird?

Als Arzt sollten Sie sich zunächst an den Hersteller wenden. Dies empfehlen wir auch den Krankenkassen.

8. Sind Rezepte genehmigungspflichtig?

Nein, Rezepte für enterale Ernährung sind wie Arzneimittelrezepte zu handhaben und sind deshalb auch nicht genehmigungspflichtig.

9. Was können Sie bei einer Ablehnung eines Rezeptes tun und wer kann bei der Ablehnung eines Rezeptes aktiv werden?

In der Regel wird ein Rezept von der Kasse nicht abgelehnt. Sollte der Fall dennoch eintreten, besteht der Anspruch auf die Versorgung seitens des Patienten gegen seine Kasse. Insofern muss in so einem Fall Ihr Patient bei seiner Kasse Widerspruch gegen die Ablehnung einlegen.

Haben Sie weitere Fragen zur Verordnungsfähigkeit? Nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

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